Mit ihren thematischen Arbeitsgruppen und der inter- und transdisziplinären Ausrichtung widmet sich die Plattform dringenden gesellschaftlichen Herausforderungen auf Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung. Sie versteht sich als Drehscheibe für einen lösungsorientierten Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Bild: Manu Friedrich

Blog: Universität Freiburg: Sustainability Science Dialogue + Eröffnung des UniFR_ESH Instituts

Die Veranstaltung "Sustainability Science Dialogue" am 18. November 2021 an der Universität Freiburg drehte sich um Dekarbonisierung, gesellschaftliche Werte und alternative Wirtschaftssysteme. Im Anschluss daran wurde das Environmental Sciences and Humanities Institute (UniFR_ESH Institut) eingeweiht - das neue Institut für die Arbeit an diesen Themen.

Sustainability Science Dialogue Hoch

Die wichtigsten Fragen waren: 1.) Welche Aspekte der von den Akademien Schweiz identifizierten Schwerpunkte werden an der Universität Freiburg bereits erforscht? In welchen Bereichen trägt sie zu den prioritären Themen bei?
2.) Was sind die wichtigsten Lücken und ungelösten Probleme?
3.) Wie können Forschung und Lehre zu diesen Themen an der Universität Freiburg gestärkt werden, welche institutionellen Voraussetzungen braucht es dafür und was kann das UniFR_ESH Institut dazu beitragen?

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer Keynote von Peter Edwards, Präsident der Initiative für Nachhaltigkeitsforschung der SCNAT. Er wies darauf hin, dass mangelnde Nachhaltigkeit im Wesentlichen ein gesellschaftliches Problem sei, das durch inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit angegangen werden müsse. Bei der Suche nach Lösungen kommt den Sozial- und Geisteswissenschaften eine entscheidende Rolle zu, insbesondere wenn es um Politik, Werte und gesellschaftliche Akzeptanz geht. Initiativen wie das Environmental Sciences and Humanities Institute der Universität Freiburg (UniFR_ESH Institut) sind daher wichtige Schritte.

Peter Edwards betonte auch die wichtige Rolle der akademischen Gemeinschaft zur Unterstützung der Regierungen bei der Bewältigung sehr komplexer Probleme wie dem Klimawandel, von gesellschaftlichen Ungleichheiten oder Migration. "Keine Regierung kann diese Herausforderungen allein bewältigen", betonte er. Forschung, die EntscheidungsträgerInnen umsetzbares Wissen in Form von erreichbaren Zielen und Messgrössen liefert, sollte in grösserem Umfang finanziert werden und als wichtige Chance für die Universitäten gesehen werden.

Angeregt durch diese Keynote und die anschliessenden Gruppendiskussionen zu den von den Akademien Schweiz vorgeschlagenen Forschungsschwerpunkten, wurden verschiedene Themen auf den Tisch gebracht:

Neue Paradigmen in der Wirtschaft erforderlich
Nachhaltigkeitsaspekte werden in der regulären Wirtschaftslehre an den Universitäten oft ignoriert. Alternative konzeptionelle Modelle wie Kate Raworths "Donut Economics" sollten in die wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Lehre integriert werden, auch an der Universität Freiburg.

Werte und Visionen für ein nachhaltiges Leben
Durch die Covid-Krise hat die Fragmentierung zwischen den akademischen Gemeinschaften und der Gesellschaft zugenommen. Ein Teilnehmer fragte: "Wie können wir die Menschen dazu bringen, sich gegenseitig besser zu verstehen?" Ein konstruktiver Dialog, der die Bevölkerung ermutigt, miteinander zu reden und zu lernen, unterschiedliche und gegensätzliche Meinungen zu verstehen, ist notwendig. Die psychologische Forschung sollte eine Rolle dabei spielen, einen solchen Dialog zu unterstützen und zu fördern. Darüber hinaus wäre es sinnvoll das Thema Nachhaltigkeit bereits in der Schulbildung und - eine Aufgabe für die Universität Freiburg - in der Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte zu berücksichtigen.

Ängste vor einer Gesellschaft mit Null-Treibhausgasemissionen zerstreuen
Die technologischen Herausforderungen, die mit dem Erreichen einer Gesellschaft ohne Treibhausgasemissionen verbunden sind, sind weltweit Gegenstand intensiver Forschung. Das Ziel, keine Treibhausgasemissionen mehr zu verursachen, wirft jedoch auch viele nichttechnologische Fragen auf, die dringend gelöst werden müssen. Was sind die rechtlichen und finanziellen Auswirkungen der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung? Unter welchen Bedingungen sind diese für die Bürgerinnen und Bürger akzeptabel? Viele Menschen verbinden mit einer Netto-Null-Zukunft die Befürchtung, auf Annehmlichkeiten verzichten zu müssen und eine geringere Lebensqualität zu haben. Diese Ängste müssen von ForscherInnen und PolitikerInnen gleichermassen angesprochen werden. "Netto-Null" wird oft als vages Konzept angesehen, und an den Universitäten forschen vor allem ingenieurwissenschaftliche und technikorientierte Fakultäten daran. Für die Universität Freiburg besteht im Zusammenhang mit einer Netto-Null-Gesellschaft ein grosses Forschungspotenzial für soziale, ethische, anthropologische, theologische und rechtliche Fragen.

Mehr Raum und Anerkennung für Engagement im Bereich Nachhaltigkeit
Wie können WissenschaftlerInnen motiviert werden, stärker auf dringende und wichtige Nachhaltigkeitsfragen zu fokussieren, ohne die wissenschaftliche Freiheit und die freie Wahl der Forschungsfragen zu untergraben? WissenschaftlerInnen stehen unter enormem Publikationsdruck, so dass nur wenig Zeit für gemeinsame Aktivitäten oder die Entwicklung interdisziplinärer Lehrprogramme bleibt. Einer der Gäste stellte fest, dass oft die zusätzliche Zeit und die Motivation fehlen, die für gemeinsame Aktivitäten zugunsten der Nachhaltigkeit erforderlich sind. Wenn das Engagement für Nachhaltigkeit stärker in Forschung und Lehre integriert wäre, würde es nicht als zusätzliche Belastung empfunden.

Das Environmental Sciences and Humanities Institute (UniFR_ESH Institute) möchte neue Wege beschreiten, um Studierende und Forschende an der Universität Freiburg für Nachhaltigkeitsthemen zu begeistern. Ein Beispiel dafür sind die "Environmental Humanities Lunches". Bei dieser alle zwei Wochen stattfindenden Veranstaltung werden Gäste aus Wissenschaft und Praxis eingeladen, ihre Arbeiten und Überlegungen sowie deren ethische Implikationen vorzustellen. Weitere Ideen der Teilnehmenden für eine stärkere Einbindung von Studierenden und Doktorierenden sind:

  • Die Zugehörigkeit der Doktorierenden zu zwei verschiedenen Fakultäten könnte den interdisziplinären Austausch fördern.
  • Orte der Begegnung schaffen und Begegnungen fördern. Einer der Gäste erklärte, dass die Cafés scientifiques an der Universität Freiburg früher auf dem Campus stattfanden. Jetzt finden sie in einer Bar in der Nähe des Bahnhofs statt und haben wesentlich mehr Erfolg. Eine Verlegung der "Environmental Humanities Lunches" an einen zentraleren Ort oder ein Wechsel zwischen dem Campus Pérolles und dem Campus Miséricorde könnte daher eine wichtige Rolle spielen.

Es wurde festgestellt, dass die Förderung und Ermöglichung einer stärkeren interdisziplinären Zusammenarbeit eine grosse Herausforderung an einer streng in disziplinären Fakultäten organisierten Universität ist. Das UniFR_ESH Institut führt ein fakultätsübergreifendes MSc-Programm durch und strebt weitere interdisziplinäre Lehrprogramme an; dies ist ein wichtiger erster Schritt und man kann hoffen, dass weitere Initiativen dieser Art folgen werden.

Autoren: Anne-Catherine Minnig

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